Viele Maßnahmen gegen die Klimakrise müssen und können vor Ort in den Kommunen umgesetzt werden. Dort kann die Transformation zu einer klimaneutralen Gesellschaft schnell und spürbar starten. Die Klimaschutzorganisation GermanZero unterstützt Bürger:innen dabei, ihre Gemeinde auf den Weg in eine klimasichere Zukunft zu bringen. Ziel ist es, einen Richtungswechsel zur Klimaneutralität bis spätestens 2035 zu erwirken. Seit dieser Woche gibt es 50 solcher Teams, die in ganz Deutschland sogenannte “Klimaentscheide” auf den Weg bringen. Und Mainz gehört dazu: Die Bürgerinitiative MainzZero war im Sommer 2020 gestartet und hat am 7. Juni mehr als 13.500 Unterschriften für ein Bürgerbegehren „Mainz klimaneutral bis 2030“ an Oberbürgermeister Michael Ebling überreicht.

Mainz bei den ersten Klimaentscheiden deutschlandweit

Im Mai letzten Jahres startete das erste Klimaentscheid-Team in Essen, Ende 2020 waren es bundesweit schon 20 Gruppen. Diese Woche legt in Besigheim das 50. Klimaentscheid-Team los und Köln wird in wenigen Tagen folgen. MainzZero ist bereits in der Phase der Gespräche mit der Mainzer „Ampel-Koalition“ sowie den Fraktionen im Mainzer Stadtrat, um die Chancen eines fraktionsübergreifenden, gemeinsamen Antrages im Stadtrat auszuloten. „Wir sind auf einem guten Weg, damit die ersten, existentiell wichtigen Schritte hin zur Klimaneutralität umgesetzt werden“, betont Hans-Georg Frischkorn von MainzZero. „Schnelles Handeln ist jetzt zwingend erforderlich, wenn das Pariser Klimaschutzabkommen von 2015 und die darin festgeschriebenen 1,5 Grad auch von Deutschland eingehalten werden können.“ Verhandelbar sei dies nur sehr bedingt, wie die Hochwasserkatastrophe im Norden von Rheinland-Pfalz und in Nordrhein-Westfalen gezeigt habe, ergänzt Frischkorn.

„Bürgerbegehren, Einwohneranträge und direkte Gespräche mit Lokalpolitiker:innen sind wirksame Mittel, um den eigenen Ort auf 1,5-Grad-Kurs zu bringen,“ so Ines Gütt, Projektleiterin Klimaentscheide bei GermanZero. „Das sehen wir an den bisherigen Erfolgen in so unterschiedlichen Städten wie Jena, Landshut, Essen oder Schorndorf. Die Teams haben sich für unterschiedliche Strategien entschieden, aber eines haben sie gemeinsam: Mit einem relativ kleinen Kernteam haben sie in wenigen Monaten viel bewegt.”

Diese Städte beschlossen unter Einwirkung der dortigen Klimaentscheid-Teams, einen Klimaaktionsplan zu erstellen, um bis spätestens 2035 klimaneutral zu werden. Damit werden sie zukunftsfähig, gewinnen an Lebensqualität und profitieren von großen wirtschaftlichen Chancen. Auch in Hamburg, Berlin und Dresden sind Klimaentscheid-Teams unterwegs. MainzZero ist überzeugt davon, dass nur eine große, bundesweit vernetzte Bürgerbewegung erfolgreich sein wird: „Wir müssen das Engagement Einzelner bündeln, denn nur gemeinsam können wir genügend Druck von unten aufbauen. Deshalb ist eine große Bürgerbewegung wie die von GermanZero notwendig, damit wir den erforderlichen Transformationsprozess in Politik und Gesellschaft in Gang setzen können“, so Hans-Georg Frischkorn.

1,5 Grad-Maßnahmenkatalog von GermanZero zeigt Chancen auf

GermanZero legte am 9. Juni 2021 einen sektorübergreifenden 1,5-Grad-Maßnahmenkatalog vor. Darin wird beschrieben, welche Gesetzesänderungen für eine 1,5-Grad-Zukunft vorgenommen werden müssen. Energie, Verkehr, Industrie, Gebäude und Wärme sowie Landwirtschaft und Landnutzung sind die Sektoren, in denen umfangreiche Reduktionen notwendig sind. Übergreifende Maßnahmen wie eine effiziente Gestaltung des CO2-Preises wurden separat beleuchtet.

Klimaneutralität ist eine Gemeinschaftsaufgabe vieler Ebenen. Dabei sind zahlreiche Kommunen deutlich weiter als der Bund: Bereits heute leben mehr als sieben Millionen Menschen in Gemeinden, die beschlossen haben, bis spätestens 2035 klimaneutral zu werden. Wenn alle Klimaentscheid-Teams erfolgreich sind, steigt diese Zahl auf 21 Millionen Menschen – also ein Viertel der deutschen Bevölkerung.

Die Städte, Dörfer und Landkreise brauchen Unterstützung aus ihren Bundesländern, dem Bund und der EU, um ihre Ziele – die Ziele der dort lebenden Menschen – zu erreichen. Deshalb fordern die 50 Klimaentscheid-Teams, dass ihre politischen Vertreter vor Ort sich auf Bundesebene für das 1,5-Grad-Gesetzespaket stark machen.

Die Forderungen und Ziele von ‚MainzZero – Klimaentscheid Mainz‘ und weitere Infos zum Bürgerbegehren sind unter www.klimaentscheid-mainz.de zu finden.