MainzZero und Mainzer Radfahrforum wollen Flächengerechtigkeit von Fuß- und Radverkehr

Mainz, 28. April 2024. „Diese Spur fürs Rad“ und „Mehr Platz für Fuß- und Radverkehr“. Mit diesen Forderungen haben mehr als 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Donnerstagnachmittag für eine geschützte Fahrradspur auf der Alicenbrücke demonstriert. Das Mainzer Radfahrforum (MRF) und die Bürgerinitiative MainzZero fordern damit mehr Gerechtigkeit bei der Aufteilung des öffentlichen Straßenraumes zugunsten von Fuß- und Radverkehr. Aufgrund der angemeldeten Demonstration wurde der rechte Fahrstreifen (Abbiegespur Richtung Hauptbahnhof West) auf der Brücke stadtauswärts für 30 Minuten auf einer Länge von knapp 30 Metern gesperrt. Der Verkehr wurde dadurch kaum beeinträchtigt.

Carola Kühne vom MRF bezeichnete die bestehende Verkehrsregelung auf der Alicenbrücke als „Relikt aus einer Zeit, wo es hieß: Freie Fahrt für freie Bürger“. Und damit sei eigentlich gemeint: „Freie Fahrt für Autofahrende“. Für Radfahrer dagegen werde nicht einmal ein Mindestmaß an Raum zur Verfügung gestellt. „Das wollen wir ändern und für mehr Flächengerechtigkeit sorgen“, sagte Kühne, die sich beim NABU Mainz, Verkehrsclub Deutschland und dem MRF engagiert.

Stadt hat noch nicht auf Vorschläge reagiert

Unter dem Motto „Wenn nicht jetzt, wann dann? Verkehrswende auf die Spur bringen!“ hatten das Mainzer Radfahrforum (MRF) und MainzZero bereits am 15. Juni 2023 auf der Alicenbrücke eine Demonstration mit mehr als 150 Teilnehmenden durchgeführt. Neben der Forderung zum Einleiten von Planung und Bau des Radschnellweges Mainz – Universität – Ingelheim hatten sich mehrere Initiativen für Sofortmaßnahmen in Form einer geschützten Radspur („Protected Lines“) auf der Alicenbrücke eingesetzt.

Zehn Monate nach der Demo liegen die Ergebnisse der ‚Koordination‘ immer noch nicht vor. An der unzumutbaren Situation für die Fußgänger- und Radströme hat sich bis heute nichts geändert. Ebenso an der Unfallgefahr: Auch 2023 hatten sich weitere Verkehrsunfälle mit Fußgänger- und Fahrradbeteiligung ereignet (s. Exposee zur Verbesserung des Rad- und Fußverkehrs, Seiten 6 und 10), ohne dass die infrastrukturellen Mängel beseitigt wurden.

Diese Mängel müssten dringend und könnten kurzfristig beseitigt werden, so Stadt- und Verkehrsplaner Armin Schulz (MRF und MainzZero). Denn der passionierte Radfahrer konnte die von der Stadt im Sommer 2023 geäußerten “Hinderungsgründe” fachlich-fundiert entkräften.

  1. Die angesprochene, aufwendige Änderung der Ampelschaltung ist durch Anlegen einer rot markierten Radspur, startend am Alicenplatz, auf dieser Seite der Brücke zu umgehen. Hinter der Fußgänger-Ampel zur Tramhaltestelle kann durch Bordabsenken mit Auffahrmöglichkeit zum Gehwegniveau für Fahrten Richtung Universität, nach Bretzenheim u.a. Stadtteile eine gefahrlose Weiterfahrt gewährleistet werden. Mit demselben Weg und derselben Schaltung wie heute.
  2. Empfohlen wird darüber hinaus, mit einem Fahrradstreifen in der Wallstraße bis zur Ampel Einmündung Hochstraße einen durchgängigen Radweg zum Ärztehaus, dem Taubertsberg und dem Martin-Luther-King-Park zu schaffen. Damit wäre eine sichere und attraktive Verbindung von der Innenstadt bis zum Bruchwegstadion erreicht. Die vorhandene, nur temporär angesteuerte Schulbus-Haltestelle könnte am jetzigen Standort verbleiben, liegt jedoch ungünstig im Kurvenbereich. Für bessere Barrierefreiheit sollte sie in die Wallstraße verlegt werden, wo der Bus mit beiden Türen geradlinig nahe an den Bordstein heranfahren kann.

Alicenbrücke: Höchstes Radaufkommen in Mainz
“Wir stehen hier auf der am stärksten frequentierten Achse im Mainzer Radnetz mit täglich mehr als 5.000 Radfahrer:innen”, betont Armin Schulz. “Ein außergewöhnlich hohes Aufkommen angesichts der miserablen Rahmenbedingungen, das Rad-Potential liegt weit höher, wie die am 11. Mai 2023 durchgeführte Verkehrszählung in Eigenregie gezeigt hat.” Deshalb seien Änderungen zugunsten von Rad- und Fußverkehr dringend erforderlich und für eine wirkliche Verkehrs- und Mobilitätswende unumgänglich. Denn: Schon bei einem Radpotential von mehr als 2.000 Radfahrer:innen/Tag sollen beim Straßenbau die Standards von Radschnellwegen, wie vom Bundesverkehrsministerium für Bundesstraßen per Runderlass vorgegeben, zur Anwendung kommen (Allgemeines Rundschreiben Straßenbau Nr. 12/ 2020).

Als weitere Leidtragende kommen täglich tausende Fußgänger hinzu. Sie müssen sich den Gehweg mit den in beiden Richtungen fahrenden Radlern teilen. Schulz: “Umweltfreundliche Mobilität sieht anders aus und wird hier systematisch unterdrückt!” Und damit auch die dringend notwendige Mobilitäts- und Verkehrswende für Mainz. Zumal die Rad-Trasse zwischen Neustadt, Universität und Finthen neben der Rheinachse das verkehrlich und städtebaulich bedeutsamste Projekt der Verkehrswende in Mainz bildet.

Weitere Infos mit dem Exposee zu Sofortmaßnahmen für die Alicenbrücke unter Berichte

Die Pressemitteilung vom 28. April 2024